Der Autobauer Daimler enteilt dem Corona-Tief

Der Autobauer Daimler enteilt dem Corona-Tief
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Zurück in die Gewinnzone: Hat Daimler den Sprung geschafft?

Stuttgart – Der deutsche Autobauer Daimler hat vergangenen Freitag die Quartalszahlen Q3 für 2020 veröffentlicht und hat sich überraschend gut von der Corona-Krise erholt.


Die Aktien des DAX-Unternehmens sind von der Konkurrenz kaum noch einzuholen, nur Spitzenreiter Tesla ist weiterhin Platzhirsch. Am Tag der Veröffentlichung der Quartalszahlen sorgten die erfreulichen Daten dafür, dass die Papiere der Schwaben seit dem Corona-bedingten Tief inzwischen eine Steigerung von etwa 122 % hingelegt haben.


Fortsetzung der Erfolgsserie auch in der Formel-1

Bereits bevor die genauen Zahlen des Q3 veröffentlicht wurden, verwies der Vorstandsvorsitzende des deutschen Autobauers, Ola Källenius, in einem Interview des Manager Magazin auf das wachsende Interesse an der Motorsport-Königsklasse und eine geradezu explodierende Zahl junger Fans.


Nachdem die Krise den Konzern in Q2 tief in die roten Zahlen hat abstürzen lassen, profitierte Daimler anschließend von seinen effizienten Maßnahmen, überzeugenden Produktportfolios und einer unerwartet schnellen Markterholung. Diese gute Geschäftsentwicklung konnte unter anderem auch durch die Investition in die Formel-1 verzeichnet werden.


Die Fortsetzung des Engagements verspricht dem Autobauer positives Marketing und eine Unterstützung des wachsenden Interesses neuer Fans.Die Marke Daimler präsentiert sich höchst erfolgreich in der Gesellschaft. Dabei haben Fans auch gleichzeitig die Möglichkeit, durch ausgewählte seriöse Wettanbieter am Motorsport teilzuhaben – dieser ergänzende Aspekt erfreut sich zunehmender Beliebtheit und die dazugehörige Branche wächst beständig.


Daimler Motorsport

Auch der Finanzvorstand freue sich, konstatiert Källenius, „dass wir die Kosten halbieren und neue Werbepartner bekommen. Unser Formel-1-Team wird von einer Kostenstelle zum wertvollen Unternehmen, fast wie Bayern München.”


Diese Öffentlichkeitsarbeit und hohen Kostenersparnisse, wie Daimler Finanzvorstand Harald Wilhelm im Interview mitteilte, holten das Unternehmen aus der Krise.


Das starke Quartal in Zahlen

Am Tag der Offenlegung schlug bei den Daimler-Aktien ein Plus von 3,5 % auf 48,455 Euro zu Buche. Damit gehörte der Konzern zum Spitzenreiter im steigenden deutschen Leitindex DAX.


Diese Zahlen hatten Einfluss auf andere Werte der Branche im europäischen Vergleich: Im Stoxx Europe 600 verschaffte sich der Sektor Auto und Autoteile mit 2,3 % am meisten Auftrieb. Die Gewinnausschüttung für Aktionäre belief sich unter dem Strich auf knapp zwei Milliarden Euro, was sogar einem Plus von 19 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.


Zwar sanken Umsatz und Absatz des DAX-notierten Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 7 % (43,3 zu 40,3 Milliarden Euro) beziehungsweise von 839 300 PKW auf 772 700 PKW. Allerdings stieg der Free Cash Flow deutlich an.


Insgesamt kann Daimler auf einen Gewinn von 2,16 Milliarden Euro im Gegenzug zu 1,8 Milliarden Euro aus dem Quartal im Vorjahreszeitraum blicken.


„Der hohe Free Cash Flow im dritten Quartal von rund 5,1 Milliarden Euro spiegelt die anhaltenden Maßnahmen zur Kostenreduzierung und zum Erhalt der Liquidität sowie die positive operative Geschäftsentwicklung in allen Geschäftsfeldern wider”, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung zu den Quartalszahlen.


Darin enthalten sind 1,2 Milliarden Euro Dividenden-Einnahmen aus dem chinesischen Joint Venture BBAC. Auch für das vierte Quartal erwarte man positive Ergebnisse – angenommen, es komme zu keinem zweiten Lockdown.


Experten und Analysten überrascht

Analysten hatten im dritten Quartalsergebnis mit knapp zwei Milliarden Euro gerechnet. Daimler schlug sich damit also deutlich besser als erwartet. Der Markt erholte sich schnell, vor allem im September waren die Geschäfte stark.


Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte die Aktien von Daimler im DAX bereits zum Einkauf empfohlen. Laut des Analysten George Galliers zeigte der letzte Strategietag des Stuttgarter Konzerns erneut, dass der Autobauer die Geschwindigkeit des Umschwungs vorantreibt.


Aufgrund des verbesserten Produktangebotes könne das Unternehmen insofern auch höhere Preise durchsetzen, so der Experte. Ende Oktober schrieb Galliers, dass sämtliche Sparten des Konzerns deutlich bessere Ergebnisse erzielt hätten als erwartet.


Laut der Analysten Tim Schuldt von Pareto Securities sowie Philippe Houchois von Jefferies überraschte vor allem die Zunahme des frei verfügbaren Barmittelflusses, also des sogenannten Free Cash Flow. Von der US-Bank JPMorgan äußerte sich Jose Asumendi dahingehend, dass die Eckdaten insgesamt ein positives Signal für die gesamte Branche seien. Andere deutsche Automobilhersteller und -zulieferer könnten die Prognosen nun ebenfalls übertreffen.


In diesem Zusammenhang bedachte der Experte Michael Punzet von der DZ Bank die Tatsache, dass die Dividendenzahlung der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen sowie gute Absatzentwicklung zum Mittelzufluss der mehr als fünf Milliarden Euro geführt haben dürften. Punzet führt die Entwicklung von Daimler im dritten Quartal auf die veranlassten Kostensenkungen zurück. Außerdem habe der Konzern von staatlicher Unterstützung in Deutschland profitiert.


Corona bleibt großer Unsicherheitsfaktor

Der Stuttgarter Konzern hatte bereits vor der Corona-Pandemie zu kämpfen. Einerseits machte ihm der Umstieg von Verbrennungs- auf Elektromotoren zu schaffen, der durch den Geschäftseinbruch in der Coronakrise noch beschleunigt wurde. Andererseits wurde er durch den Absatz-Rückgang auf dem chinesischen Markt geschwächt.


Noch dazu kommen bei den Schwaben nun hohe Kosten durch den Dieselskandal. Erst kürzlich hatte der Vorstand angekündigt, den Automobilhersteller zum weltweiten Marktführer in Sachen Elektro-Autobauer umzubauen. Deshalb wird weniger Geld in Verbrennungsmotoren investiert.


Angesichts des eingebrochenen Absatzes und der roten Zahlen aus dem zweiten Quartal muss Daimler jetzt sparen, um auf alles gefasst zu sein – auch auf einen weiteren Lockdown. Im Gespräch ist ein Personalabbau von 10 000 bis 15 000 der etwa 300 000 Arbeitsplätze in den weltweiten Werken.


Den ersten Corona-Lockdown hat die deutsche Wirtschaft überstanden, und das auch gar nicht schlecht. Trotzdem werde es Daimler nicht mehr gelingen, die Absatzeinbußen aufgrund der Pandemie wieder aufzuholen.


Auch der Umsatz wird demzufolge deutlich hinter 2019 zurückbleiben. Die erstaunliche Prognose steht hingegen unter der Bedingung, dass die aktuelle zweite Corona-Welle keine ähnlich schweren Folgen wie die erste mit sich bringt, als internationale Lieferketten bedroht waren, Autohäuser dichtmachten und die Bänder in den Werken gestoppt wurden.


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