Was genau macht eine Börse?

Was genau macht eine Börse?

Unter einer Börse versteht man vereinfacht gesagt einen organisierten Marktplatz für bestimmte Güter unter beaufsichtigter Preisbildung. Angebot und Nachfrage treffen hier zusammen. Unternehmen, die beispielsweise Geld für Investitionen benötigen und Anleger, die wiederum ihr Geld mit einer Gewinnerwartung in börsennotierte Unternehmen investieren wollen, kommen an so einem organisierten Marktplatz zusammen.
 
Handelbar sind unter anderem Wertpapiere (z.B. Aktien, Anleihen, bestimmte Waren (z.B. Rohstoffe, Edelmetalle), Devisen (z.B. Yen oder Dollar) oder Terminkontrakte (z.B. Futures, Optionen). Für diese unterschiedlichen Güter gibt es auch jeweils eine eigene Börse (z.B. Aktienbörse, Terminbörse), an denen diese Produkte gehandelt werden können.
 
Der börsliche Handel wird streng durch staatliche Aufsichtsämter (in Deutschland durch die Bankenaufsicht BaFin) und durch die Handelsüberwachungsstellen der jeweiligen Börsen kontrolliert. Der außerbörsliche Handel, auch over-the-counter-Handel oder OTC-Handel genannt, unterliegt nicht den strengen Regeln der Börse und lässt somit individuelle Vertragsregelungen zu. Hierdurch lassen sich unter anderem teure Börsengebühren einsparen.
 
Auch die Schnelligkeit des Handels durch direkte Verhandlung mit den Vertragspartnern ist ein Vorteil für den außerbörslichen Handel. Die fehlende Aufsicht und Kontrolle birgt aber auch Gefahren, da die Börsenteilnehmer und Anleger nicht mehr vollumfänglich geschützt werden.
 

Kurz zusammengefasst hat die Börse folgende Aufgaben

  • Bereitstellung kosteneffizienter Handelsplattformen
  • Bündelung der Liquidität durch die Konzentration von Angebot und Nachfrage
  • Sicherstellung der Fungibilität, d. h. der Austauschbarkeit und der identischen Ausstattung einer Wertpapiergattung
  • Sicherung einer größtmöglichen Transparenz für die Anleger
  • Bereitstellung von Informationen in Form von Preisen und Umsatzzahlen

 

Wie funktioniert die Kursfeststellung?

Eine der wichtigsten Aufgaben der Börse ist die Kursfeststellung eines Wertpapiers. Der Kurs eines Wertpapiers ist der Preis, den ein Marktteilnehmer bietet bzw. verlangt oder zu dem ein Wertpapier an der Börse verkauft wurde. Er wird entweder in Euro pro Stück oder in Prozent angegeben.
 
Der an der Börse ermittelte Aktienkurs ergibt sich schließlich aus Angebot und Nachfrage und liegt immer zwischen dem Kurs, den der Anbieter der Aktie verlangt, dem sogenannten Briefkurs (Ask) und dem Kurs, den ein Anleger bereit ist für die Aktie maximal zu bezahlen, dem sogenannten Geldkurs (Bid).
 
Der Börsenmakler, Skontroführer oder ein elektronisches Handelssystem stellt nun die vorliegenden Kauf- und Verkaufsaufträge einander gegenüber und ermittelt dabei nach Maßgabe des größtmöglichen Umsatzes (Meistausführungsprinzip) den aktuellen Kurs. Das heisst, jene Aufträge, die mit einem bestimmten Kurs die höchsten Stückzahlen garantieren, werden zusammengeführt. Alle auflaufenden Kauf- und Verkaufsaufträge werden in einem Orderbuch erfaßt.
 
Da die Kursfestellung relativ kompliziert ist, wird die eigentliche Kursfeststellung heutzutage überwiegend durch Computer unterstützt. An der Frankfurter Wertpapierbörse werden lediglich 8 % des Börsenhandels noch klassisch im Saal abgewickelt.
 
Das Parket dient heute hauptsächlich als Kulisse fürs Börsenfernsehen. Das Handelssystem Xetra der Deutschen Börse AG sowie der New Yorker NASDAQ sind sogar rein elektronische Handelssysteme.
 

Was bedeutet Hausse und Baisse an der Börse?

Wenn die Stimmung an der Börse lang anhaltend gut und sehr optimistisch ist und die Kurse über einen längeren Zeitraum steigen, dann spricht man von einer “Hausse” oder einem “Bullenmarkt”.
 
Sinken die Kurse hingegen und ist die Stimmung schlecht, dann spricht man von einer “Baisse” oder einem “Bärenmarkt”.
 

Woher kommt der Name Börse eigentlich?

Es ranken sich verschiedene Theorien um die Namensherkunft der Börse. Der Begriff leitet sich einerseits aus dem lateinischen Ursprungsnamen “Bursa” ab, einem Leder- bzw. Geldbeutel, in denen die Menschen vor Jahrhunderten Geld und Wertpapiere aufbewahrt haben.
 
Die andere Theorie besagt, dass der Name Börse von der im 15. Jahrhundert in Brügge ansässigen Kaufmannsfamilie “Van der Beurze” abstammt, vor deren Gasthof für Kaufleute sich regelmäßig Händler trafen, um miteinander zu verhandeln und entsprechende Finanzgeschäfte abzuwickeln. Wenn man neue Geschäfte anbahnen oder wissen wollte, was es gerade an neuen Waren gab bzw. welche Kaufleute vertrauenswürdig waren und welche nicht, ging man schließlich »zu den Beurzen«. Im Haus der Kaufmannsfamilie entstand somit das weltweit erste „Börsengebäude“.
 
1531 wurde in Antwerpen schließlich das erste offizielle und öffentliche Börsengebäude der Welt eröffnet, das für Kaufleute aller Länder offen stand. In ihrer Geschichte brannte die Antwerpener Börse tra­gi­scher­wei­se zweimal aus – im Jahr 1583 und 1858. Beim Wiederaufbau erhielt das Gebäude erneut ihren typischen gotischen Charakter. In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zogen die Händler jedoch nach Brüssel, seither steht das weltweit erste Börsengebäude leer.
 

Zum Schluss noch ein Video

Hier wird die Börse für Anfänger kurz und informativ erklärt, sehr empfehlenswert.