Genussscheine

Genussscheine sind an einer Börse handelbare Wertpapiere, meist Inhaberpapiere, die je nach individueller Ausgestaltung der verbrieften Rechte entweder Aktien und somit Eigenkapital oder Anleihen und daher Fremdkapital gleichen.

Genussscheine werden in § 10 Abs. 5 KWG geregelt und üblicherweise mit einem Nachrang ausgestaltet. Das bedeutet, dass die Ansprüche der Genussscheininhaber im Falle einer Insolvenz erst nach der vollständigen Befriedigung der anderen Gläubiger bedient werden. Sie stehen somit im Rang hinter den anderen Verbindlichkeiten zurück.

Da das Genussrecht auf der einen Seite schuldrechtlicher Natur ist und auf der anderen Seite mit Vermögensrechten ausgestattet ist, die normalerweise nur Gesellschaftern vorbehalten ist, haben Genussscheine wirtschaftlich gesehen eine Stellung zwischen Eigenkapital und Fremdkapital. Aufgrund ihres Eigenkapital- und Fremdkapitalcharakters sind Genussscheine neben den Vorzugsaktien, der stillen Gesellschaft, den partiarischen Darlehen und den Wandel- und Optionsanleihen ein Instrument der Mezzanine-Finanzierung. Aufgrund der Nachrangigkeit und der gewinnabhängigen Verzinsung wird Genusskapital wirtschaftlich als Eigenkapital angesehen. Ein Mitspracherecht bei der Geschäftsführung oder gar ein Stimmrecht besitzt das Genusskapital nicht. Steuerlich werden Genussscheine als Fremdkapital behandelt, wenn sie nicht am Gewinn und Liquidationserlös des Unternehmens beteiligt sind.

Arten und Laufzeit

Genussscheine werden entweder als Inhaber- oder als Namenspapiere ausgegeben und können börsentäglich veräußert werden. Die Laufzeit ist in der Regel begrenzt und endet mit Kündigung und Rückzahlung oder mit Fristablauf. Die Laufzeit der Genussrechtsbeteiligung kann unterschiedlich geregelt werden, sie liegen aber für gewöhnlich bei über 5 Jahren. Die Ausgabe von Genussscheinen ist an keine bestimmte Rechtsform geknüpft.

Verzinsung

Ähnlich wie bei einer Anleihe wird die Rückzahlung des Investments erst am Laufzeitende zum Nominalwert sowie ein jährlicher Zinsanspruch gewährt, die sogenannten “Genüsse”. Die Höhe der Verzinsung ist in der Regel an die Gewinnsituation des Emittenten gebunden. Eine Ausschüttung erfolgt im Unterschied zur Anleihe immer dann, wenn der Emittent einen ausreichenden Jahresüberschuss oder Bilanzgewinn erwirtschaftet hat. Der Genussschein berechtigt aber nicht nur zur Teilhabe am Gewinn des Unternehmens, sondern verlangt auch grundsätzlich die Beteiligung am Verlust bis zur Höhe des Kapitaleinsatzes. Durch später erwirtschaftete Gewinne kann der Rückzahlungsanspruch jedoch wieder aufgefüllt werden.

Bilanzierung von Genussrechtskapital

Die Bilanzierung von Genussscheinen kann entweder als Fremdkapital oder Eigenkapital erfolgen. Genussscheine werden in der Handelsbilanz üblicherweise als Fremdkapital in dem Bilanzposten “Anleihen” oder alternativ als ein eigener Posten “Genusskapital” innerhalb der Verbindlichkeiten bilanziert.

Wenn bestimmte Vorraussetzungen erfüllt werden, kann ein Ausweis des Genussrechtskapitals innerhalb des Eigenkapitals erfolgen. Der Hauptfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer hat in seiner Stellungnahme 1/1994 vier Kriterien festgelegt, die bei Erfüllung einen Ausweis als Eigenkapitalersatz rechtfertigen:

  • Langfristigkeit der Kapitalüberlassung (mind. 5 Jahre)
  • Erfolgsabhängigkeit der Vergütung
  • Teilnahme am Verlust bis zur vollen Höhe und
  • Nachrangigkeit des Genussrechtskapitals im Insolvenz- bzw. Liquidationsfall

Nach den internationalen Rechnungslegungsnormen (IFRS) wird das Genusskapital nur als Fremdkapital betrachtet, da es eine Rückzahlungsverpflichtung vorsieht und nur befristet zur Verfügung steht.
 

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